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Meniskusriss - Ich wollte mich nur hinknien, doch dann wachte ich im Krankenhaus auf

Wie Du es vielleicht schon über meinen Instagram-Kanal mitbekommen hast, habe ich am 01.01.2019 einen fantastischen Jahresstart hingelegt.

Ich war in meiner Garage, und schloss die letzten Schritte zur Vorbereitung meiner Motorrad-Restauration ab.

So der Teufel wollte, fiel mir eine Schraube herunter. Ich bückte mich routiniert und sofort durchschoss mich ein stechender Schmerz von meinem linken Knie ausgehend. Reflexartig schnellte ich wieder nach oben. Leider erfüllte sich meine Hoffnung nicht und der Schmerz blieb. Ich setzte mich erst einmal auf meinen Montage-Hocker und musste ein paar Mal Luft holen.

Plötzlicher Schmerz, ohne dass Du Dich darauf vorbereiten kannst, hat nochmal eine ganz andere Wirkung als wenn Du damit rechnest.

Ich probierte vorsichtig, wieder mit dem Fuß aufzutreten. Erst ohne Erfolg, unter starken Schmerzen schaffte ich es aber für eine kurze Zeit. Humpeln war nicht möglich, mein Knie schmerzte zu sehr. Um mich selber und mein Knie zu schonen, hüpfte ich zum Auto und fuhr direkt nach Hause. 

Ich legte mich für 10 Minuten auf die Couch und überlegte, was passiert sein konnte. Das Gefühl veränderte sich nicht und ich kam auch zu keinem Ergebnis. So ließ ich mich am Abend des ersten Tages in 2019 in die Notaufnahme fahren. Natürlich war es hier wie leergefegt. Die meisten Böller-Opfer waren anscheinend schon versorgt und alle nach Hause gegangen. Nach einer langen Zeit des Wartens wurde mein Knie dann doch endlich begutachtet. Ich konnte es nun nicht mehr strecken. Lediglich eine gebeugte Haltung mit sehr geringem Bewegungsradius war noch möglich. Besonders das Röntgen, welches ein gestrecktes Bein nötig macht, verlangte mir alles ab. Ergebnis: Nichts gebrochen. Das dachte ich mir schon. Solche Röntgen-Untersuchungen werden meistens unternommen, da das Krankenhaus für diese Leistung von der Krankenkasse natürlich Geld bekommt. Mir wurde Schmerzmittel zugesteckt, ich bekam meine Krücken (Die für die nächsten 11 Wochen meine treuesten Begleiter werden sollten) und den Rat, mich einem MRT zu unterziehen. 

An die darauf folgende Nacht kann ich mich gar nicht mehr genau erinnern. Ich weiß nicht, ob sie dermaßen schmerzhaft oder doch noch recht erträglich war. Ich machte mich zumindest direkt morgens ab 8:00 Uhr daran, mir einen MRT-Termin zu besorgen. Von meiner letzten Begegnung mit dem großen Magneten war mir bereits klar, dass so ein Termin sich gut und gerne Wochen oder auch schon einmal Monate hinziehen kann. Ich telefonierte bestimmt 20 Adressen in der Umgebung ab. Der früheste Termin war in drei Wochen. Darauf konnte ich mich nicht ausruhen, was auch ein hohes Risiko beinhaltet hätte, wie ich nach meiner OP erfahren sollte. Ich ließ mich überall auf die Warteliste setzen, um möglichst schnell nachzurutschen, sollte ein Termin frei werden. (Ich kann es Dir nur wärmstens ans Herz legen: Bestehe darauf, Dich auf die Warteliste setzen zu lassen. Das passiert nicht automatisch, Du musst darauf bestehen!)

Zu meinem absoluten erstaunen erhielt ich direkt Mittags einen Rückruf, dass direkt für den nächsten Tag ein Termin um 08:30 freigeworden sei. Perfekt!

Somit machte ich mich am nächsten Tag auf, um mich in die Röhre schicken zu lassen. Ich konnte mein Knie zwar nicht strecken, aber gebeugt schmerzte es nicht und ich konnte dank Automatikgetriebe selber zu dem Termin fahren. 

Ein MRT (Magnetresonanztomograf) ist immer eine besondere Sache. Im Grunde ist es ein riesiger Magnet, in den man hineingeschoben wird. Das zu untersuchende Körperteil muss sich während der gesamten Untersuchung innerhalb des Donut-förmigen Gerätes befinden. Das Arbeitsgeräusch ist recht laut, ungewohnt, jedoch ist die Untersuchung Risikofrei und ohne Strahlung. Lediglich metallische Gegenstände müssen abgelegt werden, da diese natürlich angezogen werden könnten. Speziell für Menschen mit Platzangst kann ein MRT zu einer echten Tortour werden die Röhre ist nicht sehr groß und je nach untersuchter Körperregion liegt man fast komplett eingeengt in dem Loch. Um die Aufnahmen nicht zu verfälschen ist Bewegung ein absolutes No-Go.

 

Ich bekam Ohrstöpsel und Ohrenschützer auf und wurde für 20 Minuten mit dem magnetischen Monstrum alleine gelassen.

 

Wenn Du noch nie in den Genuss eines MRT gekommen sein solltest, kann ich Dir hier einen kleinen Einblick gewähren. In dem Video hörst Du den klang, den die sich im inneren drehende Spulen während der ganzen Untersuchung von sich gibt. Der Patient liegt mit dem zu untersuchenden Körperteil innerhalb der Öffnung. Das Geräusch ist teilweise so laut, dass es ohne doppelten Ohrschutz nicht auszuhalten wäre.


Nachdem ich wieder angezogen war, bekam ich Abzüge meines Fotoshootings auf CD mit und die Information, dass der radiologische Befund, den der dortige Arzt nach Sichtung der Bilder anfertigen sollte, meinem Hausarzt am nächsten Tag zugesendet werde.

Gesagt, getan - Am nächsten Tag saß ich bei meinem Arzt auf der Liege und bekam meine Diagnose: Kompletter Abriss des Hinterhorns am Außenmeniskus. Aua. Scheiß Diagnose. 

Knie von vorne mit aufgeklappter Kniescheibe:

Halbmondförmiger Innen- und Außenmeniskus. © Viewmedica

Es gibt einen Außen- und einen Innen-Meniskus. Diese sehen in etwa wie zwei Halbmonde aus und funktionieren wie Stoßdämpfer für unsere Beine. Sie dämpfen jeden Schritt, jeden Sprung und ohne sie würden unsere Ober- und Unterschenkel in nur wenigen Monaten bis Jahren unsere Knorpelschicht dazwischen verschlissen haben.

Ein Meniskus-Riss ist grundsätzlich einmal eine recht häufige Verletzung. Meistens wird sie sich durch mit Schwung verdrehte Beine bei sportlichen Aktivitäten zugezogen. Zu ca. 90% tritt ein INNEN-Meniskus-Riss auf. Außen reißen die Menisken nur sehr selten. Je nach Position und Riss-Art werden verschiedene Behandlungen angewendet. Von einer leichten Begradigung eines ausgefranzten Meniskus bis zur kompletten Entfernung ist alles dabei.  Meistens wird versucht, den Meniskus zu retten oder zu erhalten. Je weniger noch vorhanden ist, desto anfälliger wird das Knie für Arthrose, weil die Knorpelschicht abbaut.


 

Ich bekam direkt einen Einweisungsschein für das Krankenhaus, um mich so schnell wie möglich unter's Messer legen zu können. Da es bereits Freitag war, peilte ich die darauf folgende Woche an, um mich operieren zu lassen. Da ich mittlerweile keine Schmerzen mehr hatte und nur das Bein nicht mehr bewegen konnte, war mir die Dringlichkeit der Situation absolut nicht bewusst. Diese wurde mir so auch nirgendwo mitgeteilt. 

Als ich nach dem Wochenende ins Krankenhaus ging, um mir einen Termin für die OP abzuholen, machte mir der zuständige Chirurg unmissverständlich klar, dass ich auf keinen Fall noch einen Tag warten könne. Je früher operiert wird, desto besser. Er setzte alles in Bewegung, ich wurde zur Voruntersuchung und zum Narkosearzt gekarrt und dann ging es auch schon los. Es wurde sogar extra für mich eine OP verschoben und auf den nächsten Tag gelegt. Es war meine erste Operation und das Bild von den vorbeihuschenden Deckenlampen kannte ich bisher nur aus Filmen. Dieser Blickwinkel ist nicht nur Holliwood, er ist Wirklichkeit.

Ich bekam noch mit, wie mir die Infusion für die Narkose injiziert wurde und schon wurde es nebelig um mich. 

Als ich wieder aufwachte, lag ich dick eingepackt im Aufwachraum. Ich spürte, dass mein Bein gestreckt war und zwar nicht unbedingt weh tat, jedoch schon sehr pochte. Es verging nicht viel Zeit, es können nur ein bis zwei Minuten gewesen sein, dann kam ein Krankenpfleger und schob mich auf mein Zimmer. Meine Freundin wartete bereits mit neuen Anziehsachen und einer kleinen Mediaausstattung auf mich. Eigentlich sollte die OP ambulant durchgeführt werden, aber auf Grund der spontanen und dadurch recht späten Operation behielten sie mich zur Aufsicht noch eine Nacht dort.

Diese Nacht war mit Abstand die schlimmste Nacht, die ich je durchgestanden habe.

Mein Bein war in eine große, dicke Schiene gehüllt, damit ich es auch auf keinen Fall beugen konnte. Es pochte unaufhaltsam sehr stark und die Schmerzen kamen wehenartig. Ich bat diese Nacht mehrmals um Schmerzmittel, Einschlafen fiel mir auf Grund meiner Rückenlage jedoch sowieso schon sehr sehr schwer. Ich lag mit einem Mann auf dem Zimmer, der an Asthma erkrankt war und an einer schweren Lungenentzündung litt. Der arme Kerl hustete ununterbrochen und musste eine Sauerstoff-Zufuhr tragen. Auf Grund meiner eigenen Asthma-Vergangenheit konnte ich ihm sein Leid sehr gut nachempfinden. Jedoch verebbte mein Mitleid in der Nacht immer mehr, je weiter die Stunden voran schritten. Zusätzlich kam die Nachtschwester noch alle 20 Minuten nach uns schauen. Die Luft war sehr trocken, mein Mund fühlte sich ebenso an. Trinken wollte ich nicht, da ich ja alleine auch nicht in der Lage gewesen wäre, auf Toilette zu gehen. Diese aufwühlende und unruhige Umgebung tat ihr übriges zu meinen Schmerzen und der unbequemen Position, dass ich in dieser Nacht trotz Ohrschonern nur maximal für 5 Minuten am Stück schlafen konnte. Als die Sonne um 8:00 Uhr aufging und die Schwester mit einem Frühstück herein kam, kam es wirklich einer Erlösung gleich. Ich dachte nur daran, bald wieder zu Hause sein zu können und war froh, keinen längeren Krankenhaus-Aufenthalt gebucht zu haben.

Ich bekam noch ein Mittagessen, danach war die Visite mit meinem Chirurg, der mir erklärte, dass alles gut verlaufen war und eine gute Chance der Heilung meines Meniskus bestünde. Es musste nichts entfernt werden, der Meniskus wurde mit Haken fixiert und solle nun so wieder anwachsen. 

Ich bekam eine Schiene, die in der Gradzahl verstellbar war. Die ersten drei Wochen würde ich das Knie nur 30° beugen dürfen, danach würde es auf das Doppelte erhöht werden. Nach sechs bis sieben Wochen käme die Schiene ab und das Bein dürfte wieder belastet werden. In dieser Zeit müsste ich durch die eingeschränkte Bewegung im linken Bein jeden Abend Thrombose-Spritzen erhalten. Ich bin normal nicht sehr gut im Kopfrechnen, aber mein Gehirn überschlug in Rekordzeit die Zahl der Spritzen, die ich in diesem Zeitraum in meinen Bauch gerammt bekäme. Sieben Tage mal sechs Wochen wären... 42 Spritzen!!! 

Alle zwei Tage wird nun mein Verband gewechselt. Ich trage zwar nur zwei kleine Narben davon, aber auch diese müssen gut heilen.

Mittlerweile sind die Narben dicht, sehen sehr gesund aus und in einer Woche können auch schon die Fäden gezogen werden. 

 

Ich hoffe, dass mein Meniskus gut anheilt und ich schon bald wieder kräftig auftreten kann. Ich bin sehr gespannt auf meinen Termin bei'm Orthopäden, der mir auch meine Nachbehandlung nach der Schiene erläutern wird.

Falls es Dich interessiert, wie so eine Meniskus-Operation aussehen kann, habe ich Dir ein Video herausgesucht. Hier handelt es sich zwar um den Innen- statt den Außenmeniskus und es wird lediglich ein Teilstück entfernt, jedoch ähnelt sich die Prozedur sehr und ist (für mich im Nachhinein) auch ganz interessant zu sehen. Ich hätte nicht gedacht, dass mir Wasser in mein Knie gespritzt wurde!

(Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=Kyse3z15VbE | 15.01.2019)



11.01.2019

Die letzte Nacht hat mir noch alles in dem Kniebereich wehgetan. Komischerweise auch eine Stelle an meinem Oberschenkel. Ich weiß nicht, warum.

Mein Knie fühlt sich noch sehr aufgepumpt und fragil an. Ich kann mein Knie nicht drehen und nur sehr schwer heben.


12.01.2019

Das hier war die erste Nacht zu Hause. Ich liege fast aufrecht mit dem Oberkörper, da ich ansonsten Rückenschmerzen bekomme. Drehen kann ich mich leider nicht, sonst habe ich starke Schmerzen im Knie.


15.01.2019

Leider kann ich nicht viel über Tag machen. Ich bin an mein Sofa gebunden, kann mich aber auch noch nicht einmal aufrichten, da ich nicht sitzen kann. Ich liege also die meiste Zeit auf dem Sofa und Kühle mein Knie. Das ist immer noch recht dick und muss gekühlt werden. In einer Woche kommen die Fäden raus. Das Bein hochheben schmerzt jedoch noch.


17.01.2019

Mittlerweile tut mein Knie nicht mehr weh. Ich muss es aber dennoch weiter hochlegen, um die Schwellung zu mindern und die Heilung zu fördern. Das heißt, wirklich hinsetzen kann ich mich immer noch nicht. Ich musste alle zwei Tage zum Verbandswechsel. Meine Narben sind nun schon gut verheilt, somit brauche ich keinen Verband mehr und zwei Pflaster übernehmen den kompletten Wundschutz. Aber da nur zwei kleine 5mm breite Schnitte gemacht wurden, ist das auch nicht verwunderlich.


19.01.2019

Diese Nacht konnte ich das erste Mal wieder auf der Seite schlafen. Mein Knie tat nicht weh und es war trotz Beinschiene sogar recht bequem. Endlich schmerzt mein Rücken nicht mehr!


21.01.2019

Heute habe ich wirklich keinen guten Tag. Zwar kommen morgen meine Fäden raus, aber ich kann meinen Fuß immer noch nicht belasten und muss mich für alles an irgendetwas abstützen. Das wird auch noch die nächsten fünf Wochen so weitergehen. Es ist nicht nur, dass ich die ganze Zeit zu Hause sitze. Nicht gehen zu können mindert die Lebensqualität so ungemein.

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