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Auf der Jagd nach dem Schweinehund 1/3 - Motivation geladen, entsichert und schussbereit

Ich habe jetzt schon ein paar Blog-Beiträge geschrieben und musste eines feststellen: Es scheitert oft nicht an Wissen, Wissbegierde oder Geld. Es ist in 90% der Fälle der innere Schweinehund, den Du besiegen musst. Es wäre eine dreiste Lüge, wenn ich Dir sagen würde, dass dieser mit zwei bis drei einfachen Tricks zu bezwingen wäre. So einfach ist das leider nicht. Aber immer mit der Ruhe, ich werde Dir im Folgenden eine perfekte Anleitung geben, wie mit einem Schweinehund zu verfahren ist.

Zu allererst müssen wir uns mit der Biologie eines Schweinehundes vertraut machen. Wie sieht er aus, welche Eigenschaften hat er und was sind seine Vorlieben und Abneigungen? 

Der Schweinehund (latein: Carnus Quikus) ist ein tierischer Begleiter, der wie ein Naturgesetz, jedem menschlichen Wesen ungefähr ab dem dritten Lebensjahr zur Seite gestellt wird und es bis zu seinem Tod begleitet. Ab dem dritten Lebensjahr entwickelt jedes Kind ein Gefühl für sein eigenes Ich und somit auch ein Gefühl für die Zeit und für Dinge, die es aktiv schön oder auch doof finden kann. Genau wie das kleine Kind befindet sich der Schweinehund zu Beginn noch in einem Welpenstadium. Er ist klein, verspielt und sehr anpassungsfähig. Die Existenz von Schweinehunden wird schon seit Jahrtausenden überliefert. Ihre Herkunft ist also ungewiss. Wahrscheinlich stammen sie aus einer Ecke des Paradiesgartens, den Adam nie erkundet hatte.

Anders als wir Menschen, wächst ein Schweinehund jedoch nicht automatisch mit seinem Alter. Er wächst mit der Nahrung, die er zu sich nimmt. Aber was frisst so ein treuer Begleiter? Zu seinen Lieblingsgerichten gehören schlechte Angewohnheiten, Verpasste Termine, Versäumnisse und Bequemlichkeiten. All diese Dinge verschlingt er und wächst unaufhaltsam. Eine unangenehme Eigenschaft ist die direkte Unsichtbarkeit. Nicht nur andere Menschen können Deinen Schweinehund nicht sehen, auch Du kannst ihm nicht direkt in die Augen blicken. Aus alten ägyptischen und indianischen Sagen ist von den Heilern und Schamanen, die die Grenze von Sein und Nicht-Sein überschritten haben, jedoch folgendes überliefert: Sie besitzen zwei Gesichter und blicken mit ihren durchtriebenen Augen aus einem freundlichen Gesicht umher, als wenn sie niemanden täuschen könnten. Wir wissen es besser! Es gibt leider auch noch keine App, mit der wir die aktuelle Größe unseres Kompagnons beziffern können. Jedoch haben wir Menschen im Laufe der gemeinsamen Existenz ein Gespür für ihn entwickelt. Wenn Du ihn schon spüren kannst, sei sehr vorsichtig, er ist hungriger als Du denkst. Du kannst ihn spüren, wenn Du auf dem Sofa liegst und zum Abwaschen aufstehen willst, wenn es draußen stürmt und schneit und Dein Fitness-Tracker Dich zum Laufen auffordert oder wenn eine Chipstüte auf dem Wohnzimmer-Tisch liegt, Du aber gestern auf der Waage eine Begegnung der dritten Art hattest. Diese Dinge lassen Dich nicht nur die blanke Existenz, sondern sogar die ungefähre Größe Deines eigenen Schweinehundes spüren.

Ist dieser in seiner Welpenform noch recht unbestimmt und flexibel, spezialisiert er sich mit ansteigender Größe auf bestimmte Vorlieben. Sehr viele haben eine Vorliebe für körperliche Inaktivität. Das liegt nicht daran, dass der Mensch Inaktivität bevorzugt, sondern dass der Schweinehund sich auf die Dinge spezialisiert, die er am meisten zu Fressen bekommt. Wenn wir als Kinder schon von klein auf an Sport und körperliche Ertüchtigung gewöhnt sind, sieht auch unser Schweinehund in diesem Bereich nie etwas zu Fressen. Daher sucht er sich entweder andere Dinge, die er verspeisen kann oder verbleibt in seiner Welpenform. Je größer er wird, desto gefräßiger wird er auch. Das heißt aber noch lange nicht, dass er als Baby ungefährlich ist. Er ist auf maximalen Komfort aus und da das meistens auch auf Menschen zutrifft, kann hier fast eine perfekte, aber gefährliche Symbiose entstehen.

Es gibt aber auch Dinge, die er absolut nicht leiden kann. Unstetiges, unvorhergesehenes Verhalten mag er überhaupt nicht. Spontanität ist ein Graus für ihn und durch kurzfristige Änderungen im Tagesablauf kann man ihn nachhaltig schwächen. Um noch einmal die Verbindung zwischen ihm und dem Menschen aufzuzeigen: Ein Mensch empfindet keinen Schmerz, sollte sein Schweinehund verletzt werden. Das Gegenteil ist der Fall. Je geschwächter oder kleiner der Schweinehund ist, umso besser und befreiter fühlt sich der Mensch. Diese Beziehung beruht auf dem Prinzip der Schmarotzer. Wir haben keinen Vorteil davon, diesen Begleiter zu haben. Wir erhalten nur Nachteile, einschließlich eventueller gesundheitlicher Schäden. Für alle imaginären Tierfreunde sei aber versichert: Schweinehunde lassen sich auch mit den größten Anstrengungen nicht töten. Sie halten verdammt viel aus und gehen erst mit dem Ableben ihres Wirtes in die ewigen Jagdgründe ein. 

Das klingt alles erst einmal sehr demotivierend? Da kann ich Dir nur Recht geben. Aber ich kann Dir auch etwas verraten: Es gibt Abhilfe. Es ist schwer, dauert lange und benötigt viel Arbeit. Jedoch wirst Du es am Ende schaffen, ihn in Ketten zu legen und ein unbeschwerteres Leben führen können. 

In meinem nächsten Beitrag werde ich Dir zeigen, wie Du ihm auf die Schliche kommst, ihn studierst und sein Gefängnis vorbereitest. Dieser Teil ist unglaublich wichtig, bevor er im letzten Schritt auf Eis gelegt wird. Wenn die Ketten nicht ordentlich gebaut wurden, beißt er sich wieder frei und die ganze Arbeit geht von vorne los. Misserfolge frisst er nämlich auch gerne und wächst dadurch noch stärker.

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